100 Tage Fahrradpendler

Lange habe ich mit mir gerungen, ein Fahrradpendler zu werden. Ich bin gelegentlich durchaus mit dem Rad zu Arbeit geradelt. Pro Richtung sind es je nach konkreter Strecke, die ich wähle, zwischen 23,5km und 26km und zwischen 320hm und 380hm. Dafür benötige ich ca. 75min, an sehr guten Tagen vielleicht auch mal nur 70min, an schlechteren 80min oder mehr. Das bedeutet am Tag 2,5h reine Pendelzeit. Das ist beim Radfahren ja aber noch nicht alles: dazu kommt das Umziehen, das Abstellen und Anketten des Rads, das Duschen vor Ort – dankenswerterweise habe ich dazu die Möglichkeit – usw. usf.

Unterm Strich bedeutete das, dass ich mich nur in Einzelfällen bei einer Hand voll Gelegenheiten aufs Rad zur Arbeit geschwungen habe. Das änderte sich vor gut drei Monaten. Ich beschloss Anfang des Jahres endgültig, dass ich mir ein E-Bike zulegen würde. Lange überlegte ich, ob es vielleicht ein S-Pedelec würde. Dagegen entschied ich mich aus zwei Gründen: die sind recht teuer und es gab kaum Gelegenheit mal welche zur Probe zu fahren. Und viel wichtiger: ich kann auf meiner Strecke sehr angenehm zu ungefähr 80% auf Feld- und Waldwegen pendeln. Dort darf man mit einem S-Pedelec nicht fahren. Würde wahrscheinlich zwar niemanden kümmern, wenn man’s doch täte. Aber was, wenn man einen Unfall hat? Was sagt dann die BG? Dem Risiko wollte ich mich nicht aussetzen.

Also habe ich verschiedenste E-Bikes zur Probe gefahren, habe mich im Internet erkundigt und vor Ort beraten lassen. Und am 31.05. war dann #newbikeday und ich habe das Endeavour L Touring von Kalkhoff bei Fahrrad XXL in Esslingen abgeholt.

Das Rad ist eigentlich ein ganz normales Alltags- und Tourenrad, allerdings mit Dropbars. Um ein Allwetterpendelfahrzeug zu werden, waren Schutzbleche, Gepäckträger und fest verbautes Licht keine Diskussion. Außerdem musste ein entnehmbarer Akku sein. Denn Laden in der Tiefgarage ist nicht und zum täglichen Schleppen in die Wohnung zwei Stockwerke höher sind 15kg auch zu viel, ganz zu schweigen von 22kg. Und Dropbars wollte ich haben, um den tauben Händen möglichst zu entgehen. Alles in allem ist es die ideale Wahl für mich gewesen, auch wenn ich mir gelegentlich mal ein bisschen mehr Power wünschte.

Seither ist das Rad mein Hauptverkehrsmittel, um zur Arbeit zu kommen, und vielfach mein Autoersatz wann immer es geht. Das heißt, ich habe bis heute 2854km zurückgelegt – im Schnitt 28,5km pro Tag oder 200km pro Woche. Wer aufgepasst hat, merkt, dass das bedeutet, dass ich nicht jeden Tag das Rad genommen habe. Aber es gibt eben immer mal den einen Grund, doch das Auto zu nehmen.

2854km entsprechen bei den derzeitigen Spritpreisen und dem Verbrauch meines Wagens ungefähr 375€. Gegen die Fahrradinspektionen und den Verschleiß gerechnet ist das gar nicht mal eine riesige finanzielle Ersparnis, aber das ist nicht der Punkt. Mit dem E-Bike benötige ich für eine Strecke etwa 60min. Wenn ich schnell bin 55min, wenn ich langsam bin auch mehr. Das ist auf den ersten Blick kein Wahnsinnsfortschritt, ist aber eine halbe Stunde besser als das Biobike. Mit dem Auto benötige ich zwischen 40min und 45min reiner Fahrtzeit. Da kann das E-Bike auch nicht mithalten.

Was für mich aber der entscheidende Faktor ist: statt dass ich mich ärgere über Stau, Ampeln, Sonntagsfahrer, das Radio usw. genieße ich das Treten der Pedale, den Fahrtwind und die frische Luft Ich bin gespannt, was Herbst und Winter bringen werden und wie schwer mein Schweinehund zu überwinden sein wird. Das wird sich zeigen. An der Ausstattung wird es nicht hängen.

Einige vermutlich banale aber für mich neue Erkenntnisse hatte ich in den 100 Tagen:

  • Ohne Unterstützung fährt sich das Ding ausgesprochen zäh.
  • Gegenwind ist auf dem E-Bike genauso kacke wie beim Biobike.
  • Eco-Modus und ähnlich sparsam unterstützende Modi bringens nicht wirklich, wenn das Rad der Autoersatz sein soll; damit ist man dann langsamer als mit dem Biobike und hat als einzigen Bonus nicht vollkommen verschwitzte Klamotten. Die stärkeren Modi begrenzen einen dann allerdings ganz erheblich in der Reichweite.
  • Radtouren sind mit einem Biobike weitaus ersprießlicher, von der größeren Reichweite ganz zu schweigen.
  • Vergessen, den Akku zu laden, rächt sich unmittelbar.
  • …

Ich bin gespannt, wie meine Bilanz nächsten Mai nach einem Jahr aussieht. Jetzt jedenfalls habe ich keine Minute bereut und genieße das Pendeln mit dem Elektrofahrrad,

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